Glassdoor reviews nutzen um die Qualität von Firmen einzuschätzen

14/11/19

Etwas Altes, etwas Neues

In den letzten Jahrzenten haben Ökonomen unzählige Konzepte für die qualitative Einschätzung von Geschäftsmodellen erstellt. Die meisten dieser Konzepte basieren auf Zahlen, die normalerweise in vierteljährlichen Publikationen, Präsentationen und/oder Jahresberichten zu finden sind. Allerdings genügt dies nicht, wenn man versucht “Alpha” zu generieren. Wie schon Gordon Gekko im Film ‘Wall Street’ sagte: “Information is the most valuable commodity in this data-driven world”, was so interpretiert werden kann, dass man auch alternative Datensätze in Betracht ziehen sollte, welche von anderen Analysten vernachlässigt werden. Eine solche Quelle mit wertvollen Einblicken in eine Firma sind Glassdoors Reviews, anhand derer man eine Management-Beurteilung durch Mitarbeitende sowie Informationen zur internen Arbeitskultur und den Perspektiven in der Firma erhält.

Methodik

Wir haben im Oktober 2017 angefangen, Glassdoor Daten auszuwerten und jetzt, zwei Jahre später, können wir bereits die ersten Schlüsse ziehen. Es gibt viele verschiedene Parameter welche die Websites zur Verfügung stellt. Wir fokussieren uns lediglich auf vier dieser Parameter: Company Overall Rating, CEO Approval, Business Outlook und Corporate Culture, weil diese bei der Beurteilung der Qualität eines Unternehmens die höchste Signifikanz haben. Alle Parameter wurden auf einer Skala von 0% zu 100% normiert, die Durchschnittswerte wurden kombiniert und somit eine aggregierte Bewertung erstellt. Unser Universum sind Unternehmen des S&P 500, mit der Voraussetzung, dass das einzelne Unternehmen mindestens 100 Bewertungen hat. Falls eine Firma weniger als 50 CEO Bewertungen aufweist, wurde die CEO Bewertung für die aggregierte Firmenbewertung nicht berücksichtigt. Ausserdem wurden Firmen, die in den letzten zwei Jahren akquiriert wurden, ausgeschlossen.

Resultate sind überraschenderweise einfach und konsistent

Das aggregierte Glassdoor Rating zeigt eine starke Korrelation zur Aktienperformance der Unternehmen. Unternehmen mit einem hohen Rating zeigten in den Folgejahren (1-Jahresund 2-Jahresperformance seit Oktober 2017) eine deutlich bessere Performance als Unternehmen mit einem schlechten Rating. Interessant ist der deutliche Performanceunterschied innerhalb der „Bottom Gruppen“, dort sticht insbesondere die „Bottom 10 Gruppe“ hervor, während der Rest der „Bottom Gruppe“ zwar schlechter als der Median abschneidet, aber nicht wesentlich schlechter.

Abb. 1: Glassdoor Bewertung (Stand Oktober 2017) von Unternehmen mit Aktienperformance in den Folgejahren

Quelle: Hérens Quality Asset Management, Reuters

Blick auf das Top-Quintil (Q1) und Bottom-Quintil (Q5) erklärt den Effekt (Abb. 2). Im Bottom-Quintil zeigt sich eine breite Streuung der Aktienperformance. Dagegen zeigen die Aktien im Top-Quintil mehrheitlich eine positive Performance und weisen zudem eine Outperformance (60%) gegenüber dem S&P 500 Durchschnittsertrag aus. Zudem ist die Standardabweichung im Top Quintil um einiges tiefer.

Abb. 2: Aktienperformance der Unternehmen im oberen und unteren Quintil basierend auf der Glassdoor-Bewertungen

Wie sieht das Ranking in 2019 aus?

Die obige Analyse verdeutlicht, dass Kennzahlen aus alternativen Daten, wie z.B. das aggregierte Glassdoor Rating genutzt werden können, um die Portfoliorendite zu erhöhen. Daher lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Top 25 Unternehmen, welche im Oktober 2019 die höchsten aggregierten Glassdoor Ratings aufweisen und eventuell einen Platz auf der Watchlist verdienen. Neben den offensichtlichen Kandidaten mit überdurchschnittlichen Lohnpaketen wie Facebook, Alphabet oder Microsoft findet man auch Vertreter aus dem Gesundheits-, Finanzwesen, der Industrie oder sogar Fluggesellschaften.

Abb. 3: Am besten bewertete S&P 500 Unternehmen auf Glassdoor per Oktober 2019

Quelle: Hérens Quality Asset Management, Glassdoor; NER – not enough reviews

Zudem besteht eine starke Korrelation zwischen der Arbeitsintensität eines Unternehmens und seines aggregierten Glassdoor Ratings. Die am stärksten vertretenen Sektoren im Top-Quintil sind Technologie (24%), Gesundheit (14%), während im Bottom-Quintil der zyklische Konsumsektor (24%) sowie der Industriesektor (14%) stark vertreten sind.

Wie stehen Qualitätsunternehmen da?

Von Qualitätsfirmen erwartet man im Rahmen der Analyse ein höheres Rating. Ein durchschnittliches Rating von 72% für das Quality USA Portfolio bestätigt die Vermutung. Jedoch findet man neben Unternehmen mit sehr hohem Ranking (Facebook, Apple, Microsoft oder Alphabet) auch schlecht platzierte Unternehmen wie den Logistiker Expeditors, den Elektronikgerätehersteller TE Connectivity oder den grössten US-Krankenversicherer United Health.

Quelle: Hérens Quality Asset Management, Glassdoor

Fazit

Glassdoor Daten sind sehr interessant, falls man seinen Aktienselektionsprozess um weiche und dynamische Faktoren erweitern möchte, die zudem noch von Insidern eines Unternehmens stammen. Die Berücksichtigung solcher Faktoren kann das Alpha eines Portfolios erhöhen und die Volatilität verringern. Jedoch sind die Ratings positiv verzerrt gegenüber dem Technologiesektor und negativ gegenüber arbeitsintensiven Sektoren wie Einzelhandel und Fertigung. Der resultierende Sektor-Bias könnte mit einem „Best-in-Class“ Ansatz vermieden werden. Bei der Auswertung ist auch darauf zu achten, dass mehr und mehr Unternehmen (insbesondere mit schlechtem Ranking) dazu neigen, ihr Rating mithilfe von gefälschten Bewertungen zu verbessern. Der Versuch sollte von einem aufmerksamen Analysten aber erkannt werden.

Als PDF anzeigen